Zwischen Pixeln und Beton
Ich öffne YouTube –
sie rufen „Jin, Jiyan, Azadî“,
ihre Stimmen fliegen durch Glasfaserkabel,
brennen sich in mein Herz,
und für einen Moment glaube ich,
ich bin nicht allein.
Ich öffne Twitter –
tippe „Kurdistan“,
sehe, wie sie diskutieren,
teilen, fordern, hoffen,
als gäbe es da draußen
einen Ort, der uns wirklich gehört.
Doch dann…
gehe ich raus.
In diese Straßen hier.
Zwischen Türken, Deutschen,
seltsamen Kelten mit fremden Gesichtern,
fremden Stimmen,
fremden Blicken.
Und ich…
ich bleibe allein.
Die einzige Kurdin im Radius von Kilometern,
unsichtbar zwischen Beton und Bäckereien,
zwischen Straßenbahnschienen und fremden Flaggen.
Kein „Jin, Jiyan, Azadî“ hier.
Nur der kalte Luftzug der Realität,
der mich daran erinnert:
Mein Volk… ist woanders.
Und mein Platz…
existiert hier nicht.
Aber tief in mir…
brennt das Land, das sie uns nie geben wollten.
Kurdistan lebt – in mir.