Zwischen zwei Namen
Er stand vor dem Laden
wie ein falsch sortiertes Etikett:
Armenier im Gesicht,
Aserbaidschani im Gang,
oder umgekehrt –
die Nationalität tropfte ihm
aus der Haut wie Fett aus warmer Wurst.
Und in seiner Art,
diesem selbstgefälligen Stehen,
diesem demonstrativen Vergiften der Luft,
benahm er sich wie die Karikatur,
die sich im Kopf festfrisst:
wie ein arabischer Türke
in der schlimmsten, erfundenen Version —
raumnehmend,
gleichgültig,
als gehöre ihm jede Lunge im Umkreis.
Nicht Herkunft.
Pose.
Nicht Blut.
Verhalten.
Dann diese Bewegung.
Dieses lächerliche Ritual.
Er blies den Qualm in die Luft
wie Michael Jackson im falschen Film,
Kinn hoch,
Hand theatralisch gelöst,
eine halbe Drehung,
als stünde Applaus in der Luft
und nicht nur Dreck.
Kein Moonwalk,
nur Rauch.
Keine Bühne,
nur Gehweg.
Ein billiger Superstar
der Sucht,
der glaubt, Gestank sei Stil.
Die Zigarette klebte an ihm
wie eine zweite Schleimhaut.
Gelblich.
Feucht.
Schon halb abgestorben.
Seine Finger:
verfärbt,
rissig,
als hätten sie zu lange
in kaltem Aschenbecherwasser gelegen.
Er hob sie zur Luft
und die Luft wich zurück.
Der Rauch kam nicht sanft.
Er kam wie Mundgeruch.
Wie ungewaschene Jacke im Regen.
Wie alte Lunge auf Durchzug.
Er spuckte ihn aus,
stoßweise,
als würde sein Inneres faulen
und nach draußen drängen.
Jede Wolke ein Beweis,
dass etwas in ihm verrottet.
Und hier,
an diesem Punkt,
fand selbst der Hass keine Worte mehr.
Kein Vergleich hielt stand.
Keine Metapher biss noch.
Der Ekel wurde stumm,
der Zorn sprachlos.
Passanten bekamen ihn ab,
ungefragt,
diesen warmen Film aus Teer und Ego.
Die Luft wurde dick.
Klebrig.
Man konnte sie kauen.
Sein Körper arbeitete dagegen nichts.
Er war nur Träger.
Ein fahrbarer Aschenbecher
mit Augen.
Armenier, Aserbaidschani,
arabischer Türke –
Namen zerfielen,
wurden bedeutungslos,
weil das Widerliche
keinen Namen mehr brauchte.
Am Ende des Tages
blieb er stehen,
umgeben von dem,
was er produziert hatte:
Asche auf dem Boden,
Nikotin auf der Haut,
dieser süß-saure Geruch
von etwas,
das sich selbst langsam auffrisst
und dabei glaubt,
es sei Freiheit.
Er starb heute.
Und mit ihm
starb nicht die Welt,
aber ein kleines tägliches
Stück Unterdrückung.
Der Rauch hörte auf.
Die Luft nahm wieder Platz ein.
Und für einen Moment
war nichts mehr da,
was sich wichtiger machte
als die Lungen anderer.