Jahreswende.
Mal kleinere, mal größere,
mal glatte, mal schaumige Wellen
schlagen ans Ufer.
Möwen kreischen über den Köpfen.
Mal brennt die Sonne heiß vom Himmel herab,
mal senkt sich Nebel über die Landschaft
und lässt sie vollständig darin versinken.
Mal brandet das Meer wild und laut,
mal ruht es still wie ein See.
Im Kreislauf der Natur.
Tag für Tag.
Aufs Gleiche.
Immer aufs Neue.

Zeit-Los.
Die Zeit zwischen den Jahren beginnt damit, dass ich Zahlen an Kalenderblättern abschneide. Im Frühling habe ich mir einen Kunstkalender gekauft, den es im örtlichen Buchladen zu einem reduzierten Preis gab.
Die Kunst ist zeitlos.
Während ich die abgeschnittene Kunst zum Gemälde von Edvard Munch “Inger am Strand” über meinem Schreibplatz hänge, sodass sich meine Schreibstube in eine kleine Galerie verwandelt, denke ich an eine Praktikantin, mit der ich vor einer Weile zusammen gearbeitet habe: eine junge Frau mit diversen Piercings und Gothic-Kleidung, die darüber nachdachte, sich eine Ratte für die Schulter anzuschaffen.
Sie las Rilke.
Und hatte mir damit einiges voraus.
Seit meiner Reise ins Künstlerdorf #Worpswede tue ich es auch.
Sie war für mich eine Influencerin.
Was ich an Rilke mag, ist seine Vielseitigkeit. Er war ein Kosmopolit. Er ist in Prag geboren, hat Russland bereist und in Paris gelebt. Er hat zahlreiche Briefe geschrieben und sich zu Politik, Dichtung und Kunst im Allgemeinen geäussert. Er schrieb Briefe mit Ellen Key, einer skandinavischen Reformpädagogin, die durch ihr Werk “Das Jahrhundert des Kindes“ bekannt geworden ist: „Briefwechsel mit Ellen Key“. Er äusserte sich in zahlreichen Briefen zur Politik.
Wenn ich auf meine kleine Kunst-Galerie über dem Schreibplatz schaue, frage ich mich, wie es sein kann, dass diese Künstler:innen, die um die Wende des 20. Jahrhunderts einzuordnen sind, Dichter:innen und Denker:innen wie Rilke, die Frauen von Worpswede und Reformpädagoginnen wie Ellen Key, noch zu modern für unsere Zeit sein können.
Immer noch gerne Piano-Anfängerin.
Laut meiner Habit-Tracker-App, einer dieser kleinen hübschen Technologien, die mein Leben bereichern, habe ich in diesem Jahr an 322 Tagen Klavier gespielt.
Kopf und Finger sollen zusammenwirken, einen Klang erzeugen, besser noch: harmonische Klänge. Und bestenfalls sollen diese Klänge Musik sein.
Auch wenn es Tage gibt, an denen mir der Kopf raucht und die Finger einfach nicht so wollen, wie sie sollen, ist die tägliche Klavierstunde eine schöne Zeit.
Wenn ich Klavier spiele, erlebe ich mich selbst als Anfängerin. Es ist verheißungsvoll. Ein Abenteuer. So wie das neue Jahr, das nun beginnt.
Hören & Lesen.
Während Virginia Woolf am Silvestertag in ihr Tagebuch schreibt:
„Morgen ist ein neues Jahr, und ich empfinde diesen
sonderbaren, lieblichen Gedanken des Neubeginns.“
erlebt Svea in Ich will dies, das und dich, dass ihre Vorsatzliste für das neue Jahr in falsche Hände gerät, was zu einer amüsanten Liebesgeschichte führt, die bei Libby zu finden ist.
Auf dem Bücherstapel liegt noch eine Reihe von Büchern, die ich in diesem Jahr nicht ausgelesen habe: Roger Fry von Virginia Woolf, Amerika Tag und Nacht von Simone de Beauvoir, neu: die Tagebücher von Rudi Dutschke.
In diesem Jahr habe ich mir angewöhnt, mehr Blogs und weniger Nachrichten zu lesen.
Blogs, die ich in diesem Jahr gerne gelesen habe:
- Gedanken der Öcherin
- Buddenbohm & Söhne
- fortlaufend
- LandLebenBlog
- Pressepfarrerin
- Schreiblehrling
- sinnundverstand
Und die ultimative Silvester-Playlist ist in diesem Jahr:
- Auld Lang Syne
- Alt wie ein Baum (Puhdys)
- America (Simone & Garfunkel)
- Shake it off (Taylor Swift)
- Mensch (Herbert Grönemeyer)
- Am Strande (Clara Schumann & Heinrich Heine)
- Leuchtturm (Nena)
- Imagine (John Lennon)
- Freude schöner Götterfunken (Ludwig van Beethoven)
- Was keiner wagt (Konstantin Wecker & Hannes Wader)
- People have the power (Patti Smith)
- Wenn Träume sterben (Puhdys)
- Ostseelied (Hildegard Knef)
- Auf das, was da noch kommt (Lotte & Max Giesinger)
