Notizen eines Fiktionauten.

044 A better place in Fediverse?

Nach fast einem halben Jahr auf Mastodon neun Einsichten aus meinem Blickwinkel:

(1) Her mit dem Content! Dass uns auf Mastodon 500 Zeichen gewährt werden, ist gut. So kann man einen Gedanken zu Ende führen und hat argumentativen Spielraum. Einwortsätze sind meist kontraproduktiv, bedeutungsoffen und unkommunikativ. Insgesamt betrachtet, glaube ich, dass es dem Medium gut täte, mehr konkrete Inhalte zu produzieren, also das Denken, Schreiben und die Argumentation seiner NutzerInnen abzubilden. Wir brauchen eine Content-Offensive um den Diskurs zu intensivieren, nicht epidemischen catcontent.
(2) Lobpreiset die Instanz! Machen wir uns bewusst, dass die meisten Instanzen im Fediverse von Privatpersonen geführt werden: das kostet sie Zeit, Energie und Geld. Dass wir uns täglich online äussern können, verdanken wir dem guten Willen anderer. Verhalten wir uns deshalb manierlich, wie wir dies im Real Life tun. Dem Gastgeber spuckt man nicht in die Suppe, man bedankt sich für seine Mahlzeit und Gastfreundschaft. Und man liest und befolgt die Hausregeln.
(3) Das Profil der Community schärfen. Mehr themenspezifische Communities täten dem Fediverse gut. Und sie sollten auch gepflegt werden, von Instanzenbetreibern wie von ihren NutzerInnen. Wenn wir uns einer “lokalen” Community zugehörig fühlen, weil wir hier (meinetwegen) fachsimpeln können oder den Dialog über ein Thema intensivieren, überraschende Einsichten gewinnen etc. ist das gut für das Medium und verstärkt die gegenseitige Verbundenheit. Wald- und Wieseninstanzen, etwa nach dem Motto chat.social sind dysfunktional, denn sie bündeln Interessen nur selten und verkommen leicht zur Tratschbude.
(4) Gesundes Selbstbewusstsein pflegen! Ständig aufs Crossposting zu schielen, nur um den einen oder anderen Follower auf Twitter mit ins Boot zunehmen, ist vergebene Liebesmüh. Es zeugt vielmehr von unentwickeltem Ego und peinlicher Zeigefreudigkeit. Konzentrieren wir uns auf das Hier und Jetzt. Die Anderen werden uns zu entbehren wissen. Und wir dürfen stolz auf uns sein.
(5) Lernen wir die Funktionsweisen des Mediums. Will man seine Wertschätzung für einen Beitrag ausdrücken, reicht es nicht, zu liken oder ein Lesezeichen zu produzieren. Boosts sind sinnvoller. Das Fediverse funktioniert anders als zentrale Netzwerke und ohne auf seine Eigenheiten Rücksicht zu nehmen, geht es schwer. Feedback zu geben stört zwar den routinierten Durchwinkmodus, befördert aber das Gespräch. Deswegen sind wir hier. Lernen wir unser Zuhause kennen.
(6) Inklusivität ist zentral! Sie erfordert Extraarbeit, wird aber schon bald zu wertgeschätzter Gewohnheit. CaptionYourMedia, anstatt nur Medien Bilder oder hinzurotzen, heisst die Devise. Manche Menschen benutzen Lesegeräte und benötigen eine Bildunterschrift. Wenden wir uns an Alle. Feiert die Diversity. Und bitte gendert, wo geboten.
(7) Enthaltsamkeit üben. Postet regelmässig, aber schüttet die Timeline nicht mit Postings zu. Splittet Texte nicht in 500er Pakete auf und nummeriert sie, sondern lagert sie mit Verweis auf ein Blog aus. Die Lesbarkeit wird dadurch ungemein befördert.
(8) Bitte “Bitte und Danke” sagen. Das ist nicht uncool. “Her mit der Schwarmintelligenz!” ist andrerseits das selbstgefällige Credo von Menschen ohne Benehmen. Man darf um etwas bitten und sich dafür auch bedanken. Man hat eine gute Kinderstube.
(9) Small is beautiful Müssen wir dem Verwertungszwang des Kapitals folgen und immer grösser werden? Nein, müssen wir nicht. Aber besser werden, das wäre eine Idee!

#Fediverse #MiniEssay